Die Schamlippen (lat. Labia pudendi, von singular labium „Lippe“ und pudere „sich schämen“) sind ein doppelt paarig auftretender Teil der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane, die in ihrer Gesamtheit als Vulva bezeichnet werden.

Als alternative Bezeichnung ist auch der Begriff „Venuslippen“ (nach der römischen Liebesgöttin Venus) in einigen Abhandlungen und allgemeinen Medien anzutreffen. Er wird in manchen Zusammenhängen gegenüber der Bezeichnung „Schamlippen“ bevorzugt. Außerdem sind, wie für alle anderen äußeren Geschlechtsorgane, zahlreiche unterschiedliche umgangssprachliche Bezeichnungen geläufig.

Die Größe und die Gestalt der großen und kleinen Schamlippen können von Frau zu Frau deutlich variieren. Die Definition einer Normalausprägung beziehungsweise etwaige Merkmale einer pathologischen Abweichung sind von daher aus biologischer Sicht problematisch. Jedoch sind Form und Ausprägung der Schamlippen starken gesellschaftlich-kulturellen Norm- und Schönheitsvorstellungen unterworfen, wodurch auch ästhetisch motivierte Veränderungen der Schamlippen motiviert sind.

Die kleinen Schamlippen reagieren empfindlich auf Berührungen, bei sexueller Erregung füllen sie sich mit Blut, färben sich dunkler und schwellen an. Bei manchen Frauen wird dadurch der Scheideneingang freigelegt oder die Schamspalte etwas geöffnet.

Die Haut der Schamlippen wird wie am übrigen Körper von Hautanhangsgebilden begleitet. Zusätzlich finden sich im Bereich der Schamlippen die Fordyce-Drüsen, das sind freie Talgdrüsen im Genitalbereich, ferner finden sich noch freie Talgdrüsen im Bereich Klitorisvorhaut als Tyson-Drüsen. Natürlicherweise, also ohne den Eingriff des menschlichen Individuums, bildet sich mit dem Beginn der Pubertät als Teil der Körperbehaarung und somit als sekundäres Geschlechtsmerkmal die Schambehaarung heraus.

Die großen (äußeren) Schamlippen

Die großen Schamlippen (lat. Labia majora pudendi) verlaufen vom Venushügel (Mons Pubis) bis zum Damm. Sie erdecken Klitoris, Harnröhrenöffnung und Scheideneingang und schützen diese somit. Die großen Schamlippen enthalten Fettgewebspolster und sind von pigmentierter Felderhaut bedeckt. Bei der erwachsenen Frau sind sie im natürlichen Zustand zum Teil mit Schamhaaren bewachsen. Beide großen Schamlippen bilden die Schamspalte (Rima pudendi), ihre obere Vereinigungsstelle wird als Commissura labiorum anterior, die hintere als Commissura labiorum posterior bezeichnet.

Bei den Nicht-Primaten, bei denen die großen Schamlippen fehlen, werden der obere und untere Schamwinkel (Commissura labiorum dorsalis und ventralis) und die Schamspalte von den Labia pudendi (Syn. Labia vulvae) gebildet, die den kleinen Schamlippen des Menschen entsprechen.

Unterhalb der Haut, genauer im Unterhautfettgewebe wurde von Waldeyer ein Corpus adiposum labii majories beschrieben, ein gewissermaßen zusammenhängender, bindegewebig strukturierter Fettgewebskörper, der die Größe und die Form der Labia majora bestimmt. In Richtung zum Unterhautfettgewebe, also zur Haut hin, wird der Fettgewebskörper durch eine elastisch-bindegewebige Hülle umgeben, welche aber siebartige Lückenbildungen aufweist. Diese wurde von Kehrer und Jaschke (1929) als Fascia superficialis cribriformis bezeichnet. Durch deren Lücken steht der labiale Fettgewebskörper in gewisser Beziehung zum subkutanen Fettgewebe der vorderen Bauchwand.

Die kleinen (inneren) Schamlippen

Die kleinen Schamlippen (Labia minora pudendi), auch als nymphae bezeichnet, begrenzen seitlich den Scheidenvorhof und treffen an der Klitoris (Kitzler) zusammen. Sie sind dünne, fettfreie, an der Außenseite stark pigmentierte Hautfalten aus mehrschichtigem Plattenepithel. Die Innenseiten sind wenig pigmentiert, unverhornt und enthalten Talgdrüsen. Die kleinen Schamlippen laufen vorne in je zwei Falten auseinander, wobei die vordere Falte sich mit der Gegenseite zur Klitorisvorhaut (Praeputium clitoridis) vereinigt. Die jeweils hintere Falte endet als Kitzlerzügel (Frenulum clitoridis) direkt an der Klitoris.